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  • Writer's pictureBianca Meusburger-Waldhardt

Dankbarkeitspraxis Wintersonnenwende - Frühlingssonnenwende Teil 3: Dankbarkeit und das Spiel

Es gibt einen Kontext, für den Fehler an und für sich fast Voraussetzung sind: das Spiel. Spiel bedeutet Versuch und Irrtum, lernen, versuchen, ausprobieren, ohne Garantie, ohne Netz, immer wieder. Spiel bedeutet Leben. Leben wäre ohne Spiel kaum möglich, Lernen würde nicht stattfinden. 

Spiel ist nicht Kindern vorbehalten, ist nichts, das endet, wenn man 'erwächst'. Als Erwachsene spielen wir ebenso - wir tun es oft unbewusst. Für Erwachsene ist Spiel meist das Gegenteil von Ernsthaftigkeit, daher wird Spiel nicht ernst genommen und wir sehen darin kaum Potential für Selbstwirksamkeit, für ein gelungenes Leben. Gleichzeitig aber erfahren wir das Leben zu einem Großteil im Spiel… und wenn wir dem keinen würdigen, ernstzunehmenden Raum einräumen, dann werten wir unbewusst eine unserer menschlichen Herangehensweisen ans Leben ab. An der Stelle möchte ich anmerken, dass viele Spieltheorien hervorheben, dass Freiwilligkeit ein wichtiger Aspekt in der Definition von Spiel ist. Ich persönlich finde, dass es - für Erwachsene - gerade oft in 'unfreiwilligen Kontexten' interessant sein kann, das Spielerische zu entdecken. Genau dort liegt nämlich auch eine direkte Brücke zur Dankbarkeit. Ein ganz triviales Beispiel: die Parkplatzsuche mit dem Auto, ohne zeitlichen Spiel-Raum bzw. unter Zeitdruck (aber kein Notfall… in Ausnahmesituationen gelten besondere Regeln im Körper-Geist-Seele-System). In jenem Moment, in dem es uns gelingt, diese grundsätzlich stressige Situation als Spiel zu begreifen (eine Suche, ein Rätsel lösen, einen Schatz finden), kommen wir einerseits leichter in die Beobachter*innenrolle und können uns selbst zwar achtsam, aber vielleicht nicht mehr ganz so ungesund ernst betrachten. Durch etwas Humor kommt Weitung in unser System, Stresshormone werden abgebaut. Die bewusste Dankbarkeit für das endlich Gefundene (den Parkplatz - aber wer weiß, was man noch alles so am Weg bei der Suche findet, innen wie außen ☺️) ermöglicht ein gezielt erlebtes Erfolgserlebnis, dies wiederum stärkt den Selbstwert und die Selbstwirksamkeitserwartung. Wie Kinder können wir so im spielerischen Kontext für heraus- & sogar überfordernde Situationen Bewältigungsstrategien erlernen… das kann das Spiel nämlich besonderns gut: uns anzuregen, Problematisches immer wieder neu und ganz natürlich, als einen Teil des Lebens zu bewältigen, ohne dass unser Nervensystem sofort in den Alarmmodus umschaltet, denn wenn wir verspielt agieren, signalisieren wir uns selbst: Wir sind in Sicherheit, auch, wenn es gerade stressig ist. Eine verspielte Haltung einem Problem gegenüber kann überzogene Stressreaktionen relativieren (das ist super! 😊). 

Auch ein Misserfolg ist ein Erfolg und Grund zur Dankbarkeit: Im Kontext des Spiels spornt der Misserfolg zu neuerlichen Versuchen an… und es immer wieder aufs Neue zu versuchen ist eine Grundeigenschaft von 'am Leben sein'. Situationen daher immer wieder mal mit verspieltem Blick zu betrachten kann überaus wohltuend sein, dankbar machen und hat nichts damit zu tun, nicht die nötige Ernsthaftigkeit walten zu lassen. Ernsthaftigkeit und Spiel sind gute Freunde, keine Gegensätze. Wenn es uns schwerfällt, das zu begreifen, können wir uns den Kindern als unsere Lehrer*innen zuwenden: 'Das Spiel ist die Arbeit des Kindes', sagt Maria Montessori… und hilft damit auch allen Erwachsenen, über den Begriff der Arbeit auch das Spiel als ernsthaft gelten zu lassen. 


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